Fit machen für die zweite Lebenshälfte

Lensing Zeitungsdruck hat sich für ein Retrofit seiner //wifag OF 470 GTD Druckmaschinen entschieden

Völlig unabhängig davon, welche Rolle das Printprodukt im Geschäftsmodell der Zeitungsverlage künftig spielt, müssen die technisch Verantwortlichen der Druckereien die Verfügbarkeit ihrer Produktionstechnik – egal welchen Alters –gewährleisten. „Retrofit“-Projekte sind deshalb bei vielen Unternehmen zurzeit das Mittel der Wahl um die Lebenszeit der bestehenden Technik bei überschaubarem Investment zu verlängern. Die Wifag Services AG (Fribourg/CH) bietet für die weltweit installierte Wifag-Basis solche „Retrofits“ als Modul-Baukasten – basierend auf einer Analyse des aktuellen Zustands der Technik.

„Das Mass aller Dinge“ – wenn es um belastbare Entscheidungen zur Produktionstechnik geht –, „ist die Zustandsbeurteilung der Maschinen“, stellt //wifag-CEO Pascal Clémençon klar. Jede Zeitungsdruckmaschine ist ein hochkomplexes System aus mechanischen und elektronischen Bauteilen mit unterschiedlichem Verschleiss und unterschiedlicher Lebensdauer. Um zu einer Zustandsbeurteilung zu kommen, werden sämtliche Funktionskomponenten der Maschine durch Fachleute der //wifag geprüft und die aktuellen mit den Soll-Werten verglichen. Clémençon: „Nur dies erlaubt letztlich eine Aussage über die langfristig entstehenden Unterhalts-Kosten und eventuell nötige Investitionen.“ Durch //wifag schon sehr lange angeboten, lassen manche Kunden so eine Zustandsbeurteilung im Fünf-Jahres-Rhythmus durchführen.

Neuinvestition, Retrofit oder Ersatzteil-Suche?

Während die Zeitungsrotationen als Ganzes, nicht zuletzt die als sehr stabil ausgelegten Wifag-Maschinen, problemlos über Jahrzehnte betrieben werden können, unterliegen die darin verbauten Steuerungen ganz anderen Zyklen. „Fünf bis sieben Jahre“ sei die Zykluszeit der Industrie bei Elektronik-Bauteilen, weiß Martin Santschi, Leiter Projekte bei Wifag Services. Natürlich sind diese Bauteile dann noch einige weitere Jahre verfügbar, aber nach 12 bis 15 Jahren wird es oft schwierig mit der Ersatzteil-Versorgung. Spätestens dann setzt in den Zeitungsdruckereien üblicherweise der Entscheidungsprozess ein: Kann man – wie in vergangenen Jahrzehnten üblich – die Technik nach 18 bis 20 Jahren Nutzungsdauer komplett austauschen? Soll man mit Ersatzteilen aus unterschiedlichen Quellen weitermachen? Oder doch mit einem grundlegenden Retrofit die Lebensdauer der Maschine um ein gutes Jahrzehnt verlängern?

Die //wifag-Retrofit-Lösung bietet ein Baukastensystem für die schrittweise Erneuerung der gesamten Druckmaschine. Unterschiedliche Retrofit-Schritte lassen sich bedarfsbezogen kombinieren. Die einzelnen Schritte sind wiederum aufbauend – das heisst, eine getätigte Investition kann in den folgenden Schritten weiterverwendet werden. Dies gewährt somit Investitionssicherheit. Nach dem Abschluss aller Retrofit-Schritte ist die Maschine mechanisch, elektrisch und elektronisch umfassend erneuert. Die wesentlichen elektrischen Komponenten entsprechen dem aktuellen Stand der Technik. Wie bei einem Komplett-Austausch der Technik werden viele neu entwickelte Funktionen, welche der Reduktion von Makulatur oder Erhöhung der Qualität dienen, mit dem Steuerungsretrofit ebenfalls implementiert.

Retrofit Lensing Druck Dortmund
Hugo Haymoz (Leiter Services //wifag), Rainer Pöter (Leitung Haus- und Betriebstechnik), Martin Santschi (Leiter Projekte //wifag) Pascal Clémençon (Geschäftsführer //wifag), Tobias Tigges (Geschäftsführer Zeitungsdruck)
Neue Hard- und Software nötig

Konkret rüstet //wifag die Maschinen als Alternative zur aktuellen Steuerung AS-PL12 mit der Nachfolgelösung – basierend auf der AMKAMAC-Steuerung – aus. Dies erfordert eine Hard- sowie eine Software-Anpassung sämtlicher Druckmaschinenmodule, damit diese weiterhin mit den lokalen Busteilnehmern kommunizieren können. Weiter müssen die Bedienterminals von Pilz, welche ebenfalls abgekündigt sind, sowie die Bedienkonsole Ke-Top ersetzt werden. Hierzu gibt es ebenfalls bereits eingesetzte und bewährte Ersatz-Lösungen.

//wifag hat das Steuerungskonzept bereits erfolgreich in Neumaschinen und Retrofit-Projekten rund um den Globus eingesetzt. Laufende Projekte findet man zurzeit beispielsweise im Westen Deutschlands, am Funke-Standort Hagen – und auch bei Lensing Druck in Dortmund. Der westfälische Betrieb agiert als Dienstleister für Verlage, Agenturen und Behörden. Seit 1981 werden im Druckhaus in Dortmund-Dorstfeld Tageszeitungen und Anzeigenblätter produziert. Der größte Titel sind die „Ruhr Nachrichten“, insgesamt entstehen im Druckhaus in der Nachtproduktion rund 130.000 Exemplare. Weitere eine Million Anzeigenblätter pro Woche lasten die Rotationen unter Tage aus – seit 2006 sind dies zwei //wifag-Linien Typ OF 470 GTD mit je 32 Seiten Kapazität.

Tobias Tigges, Geschäftsführer bei Lensing Zeitungsdruck, sagt über seine beiden 13 Jahre alten Druckmaschinen: „Wir möchten die Maschinen ungefähr 25 Jahre nutzen – wie die meisten – gerne auch ein bisschen länger.“ Weil es aber in jüngster Vergangenheit bei der Steuerung immer wieder mal Ausfälle gab, will Lensing nun präventiv seine Technik für die zweite Lebenshälfte „fit machen“. Dafür wurde mit //wifag ein entsprechendes Projekt aufgesetzt.

„Höchste Ansprüche“

Die Situation bei Lensing Druck ist herausfordernd. „Ein Retrofit-Projekt mit höchsten Ansprüchen“ formuliert es Pascal Clémençon. Tobias Tigges: „Wir sind für unser Produktionsprogramm auf beide Maschinen angewiesen und können nicht eine davon länger aus der Produktion nehmen. Nur in Notfällen kann man mal auf einen Turm verzichten, aber dann produzieren wir deutlich länger und das hat Konsequenzen für den Andruck und am Ende in der Zustellung.“ An einem Standort wie Dortmund ist aber auch „Sportaktualität“ noch ein wichtiges Kriterium für die Andruckzeit.

Hilfreich ist, dass die benachbarte Funke-Mediengruppe in ihrem Druckhaus Hagen ebenfalls ein Retrofit-Projekt mit //wifag realisiert und die Druckmaschinen beider Unternehmen nahezu identisch sind. Die Schweizer Techniker konnten in Hagen bei dem dort über viele Monate laufenden Projekt bereits ihre Retrofit-Prozesse überprüfen und weiter optimieren. So ist es dann auch möglich, den Tausch der Steuerungstechnik in Dortmund binnen kurzer Zeit umzusetzen. Jeweils eine der beiden Maschinen bei Lensing Druck werden in der KW 21 bzw. KW24 umgebaut, jeweils von samstagfrüh bis Freitagmorgen. Durch jeweils einen kirchlichen Feiertag in diesen Wochen sind stets nur vier aktuelle Tageszeitungsproduktionen betroffen, für die dann mit verstärkter Vorproduktion gearbeitet werden muss. Unter anderem werden statt 32 nur 16 Seiten aktuell – und dafür in Doppelproduktion – gedruckt.

Die Lensing-Elektriker und -Schlosser wie auch die hauseigene IT sind natürlich voll ins Projekt eingebunden. Sie bereiten beispielsweise die Verkabelungen vor. //wifag-Spezialisten sorgen dann für den Einbau der Steuermodule, die Verdrahtung und die Software-Programmierung.

Enge Zusammenarbeit mit EAE

Beide Retrofit-Projekte – bei Funke wie auch bei Lensing – erfolgen in enger Zusammenarbeit mit dem Leitstand-Lieferanten EAE. Da die neuen Steuerungen nicht mehr auf Profibus sowie SERCOSII-Schnittstellen ausgelegt sind, muss die Anbindung an die Leitebene von EAE verändert werden. Das derzeitige Maschinensteuerungskonzept mit einer EAE-Sektionssteuerung wird gegen ein EAE-Sektions-Gatewaysystem zur Kommunikation mit einem durch //wifag zu liefernden Sektionsmaster ersetzt. Die vorhandenen EAE-Hardware-Komponenten verbleiben im bisherigen Stand und können weiterverwendet werden. Die Ausbildung des Unterhaltpersonals auf den neuen Systemen erfolgt während der Inbetriebnahme vor Ort.

Tobias Tigges geht mit einem guten Gefühl in sein Retrofit-Projekt im Mai und Juni 2020 und kann sich dabei auf die Tatsache stützen, dass die beiden ersten Sektionen D und E in Hagen exakt im Zeitplan in Betrieb gehen konnten und vom Kunden abgenommen werden.

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